Was ist eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

Wenn aus einem kleinen Spalt ein grosses Hindernis wird

Eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte – im Englischen «Cleft» genannt – gehört zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen weltweit. Etwa jedes 700. Kind kommt damit zur Welt.

In Ländern mit gut ausgebauter medizinischer Versorgung kann diese Fehlbildung frühzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden.

In vielen Regionen der Welt jedoch fehlt es an entsprechender Hilfe: Kinder bleiben unbehandelt, Eltern verzweifeln – und das, was eigentlich heilbar wäre, wird zu einem lebenslangen Schicksal.

Cleft-Children International CCI setzt genau hier an. Wir schenken Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (Cleft) eine Zukunft – medizinisch, menschlich und nachhaltig.

Wie Cleft entsteht

Ein Mädchen schaut in die Kamera

Während der frühen Schwangerschaft, etwa zwischen der vierten und neunten Woche, formen sich die Strukturen des Gesichts und des Mundraums.

In dieser entscheidenden Phase wachsen die einzelnen Teile – Lippe, Kiefer und Gaumen – allmählich aufeinander zu und verbinden sich zu einer geschlossenen Einheit.

Bleibt dieser Entwicklungsprozess unvollständig, entsteht eine sogenannte Lippen-, Kiefer- oder Gaumenspalte – in manchen Fällen auch eine Kombination aus allen drei Bereichen.

Je nach Ausprägung kann sich die Spalte nur in der Oberlippe zeigen, den Gaumen betreffen oder beide Strukturen miteinander verbinden.

Das Erscheinungsbild reicht von einer kleinen, kaum sichtbaren Öffnung bis hin zu einer deutlich ausgeprägten Spaltung, die Atmung, Nahrungsaufnahme, Sprache und das äussere Erscheinungsbild erheblich beeinträchtigen kann.

Trotz ihrer mitunter gravierenden Folgen ist eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (Cleft) heute gut behandelbar – vorausgesetzt, Kinder erhalten rechtzeitig die notwendige medizinische Betreuung.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Entstehung einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (Cleft) hat in der Regel keine einzelne Ursache. Sie ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Einflüsse. Fachleute sprechen hier von einer multifaktoriellen Ursache.

Das bedeutet: genetische, ernährungsbedingte und umweltbedingte Faktoren können gemeinsam dazu beitragen, dass sich die Gesichtsstrukturen während der frühen Schwangerschaft nicht vollständig schliessen.

Eine Frau in Indien kocht

Zu den häufigsten Einflussfaktoren zählen:

  • Genetische Veranlagung: In manchen Familien tritt Cleft gehäuft auf – ein Hinweis auf eine erbliche Komponente.
  • Mangelernährung während der Schwangerschaft: Besonders ein Mangel an Folsäure gilt als Risikofaktor, da dieses Vitamin eine entscheidende Rolle bei der Zellteilung und Gewebeentwicklung spielt.
  • Medikamente und Umweltfaktoren: Bestimmte Substanzen können die embryonale Entwicklung stören – vor allem in den ersten Wochen der Schwangerschaft, wenn sich das Gesicht formt.
  • Schädliche Einflüsse: Rauchen, Alkoholkonsum, Infektionen oder Umweltgifte wie Pestizide können das Risiko zusätzlich erhöhen.

Wichtig ist: Eltern trifft keine Schuld.

Cleft entsteht zufällig – sie ist weder ein Versäumnis noch eine Strafe.

Wie häufig sind Clefts

Eine Mutter hält ihr Kind

Weltweit kommt etwa eines von 700 Neugeborenen mit einer Lippen-, Kiefer- oder Gaumenspalte (Cleft) zur Welt.

In Ländern, in denen Armut, Mangelernährung oder eine unzureichende Schwangerschaftsvorsorge verbreitet sind, tritt die Fehlbildung deutlich häufiger auf.

Gleichzeitig fehlt dort oft der Zugang zu spezialisierter chirurgischer Versorgung.

Die Folgen sind gravierend: Viele Kinder bleiben unbehandelt, leiden unter körperlichen Einschränkungen und erfahren soziale Ausgrenzung.

Schätzungen zufolge leben weltweit mehr als fünf Millionen Menschen mit einer unbehandelten Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (Cleft) – obwohl eine Operation in den meisten Fällen ein nahezu normales Leben ermöglichen würde.

«Eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte ist kein Schicksal, sondern eine Herausforderung, der wir mit Wissen und Verantwortung begegnen können.»

Prof. Dr. Dr. Hermann F. Sailer

Folgen und Chancen

Eine unbehandelte Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (Cleft) ist weit mehr als ein kosmetisches Problem. Sie beeinflusst das Leben eines Kindes in nahezu allen Bereichen – medizinisch, sozial und psychisch.

Medizinische Folgen

Bereits in den ersten Lebenstagen zeigt sich, wie sehr Cleft den Alltag erschweren kann. Viele betroffene Babys haben Schwierigkeiten, wenn sie gestillt werden, da sie aufgrund der Spalte keinen ausreichenden Sog aufbauen können. Später fällt es ihnen oft auch schwer, zu trinken oder feste Nahrung aufzunehmen. Dies kann zu Unterernährung und einer beeinträchtigten körperlichen Entwicklung führen.

Hinzu kommen häufige Mittelohrentzündungen, die aufgrund der veränderten Anatomie entstehen und unbehandelt zu Hörminderungen führen können. Auch die Sprachentwicklung ist oft beeinträchtigt: Kinder sprechen undeutlich oder nasal, was die Kommunikation zusätzlich erschwert.

Im Laufe der Zeit treten nicht selten Zahnfehlstellungen, Atemprobleme oder wiederkehrende Infektionen im Nasen- und Rachenraum auf. Jede dieser Einschränkungen kann das körperliche Wohlbefinden erheblich mindern – und wäre durch eine rechtzeitige Operation vermeidbar.

Soziale Folgen

Neben den körperlichen Beschwerden sind die sozialen Konsequenzen oft besonders schwerwiegend. Kinder mit einer sichtbaren Fehlbildung erleben häufig Hänseleien, Ablehnung oder Ausgrenzung. Viele entwickeln schon früh ein tiefes Gefühl von Scham und Unsicherheit und ziehen sich aus Schule und Gemeinschaft zurück.

In manchen Kulturen werden betroffene Kinder sogar stigmatisiert oder verstossen, da die Fehlbildung fälschlicherweise als Fluch oder Strafe angesehen wird.

So wird das, was medizinisch heilbar wäre, zu einer lebenslangen gesellschaftlichen Belastung.

Psychische Folgen

Die ständige Konfrontation mit körperlichen Einschränkungen und sozialer Ablehnung hinterlässt Spuren. Viele Kinder und ihre Familien leiden unter Angst, Isolation oder Depressionen.

Eltern fühlen sich oft überfordert und hilflos – besonders, wenn es an medizinischer oder psychosozialer Unterstützung fehlt. In solchen Fällen kann die gesamte Familie in eine tiefe emotionale Krise geraten – mit Folgen für Bindungen, Bildungschancen und Lebensperspektiven.

Ein Mädchen schämt sich für Ihre Gaumenspalte

Chancen der Behandlung

Trotz all dieser Herausforderungen gibt es Hoffnung. Mit einer rechtzeitigen Operation und anschliessender Therapie können Kinder mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (Cleft) ein gesundes und selbstbestimmtes Leben führen – sie können sprechen, lachen, essen und träumen wie jedes andere Kind.

Jede erfolgreiche Behandlung verändert nicht nur das Gesicht eines Kindes, sondern auch sein ganzes Leben und schenkt Familien neuen Mut und Zuversicht.

«Für uns zählt jedes Kind – unabhängig von Herkunft oder Umständen. Denn hinter jeder Spalte steht ein Mensch mit Träumen, Mut und Würde.»

Dr. h.c. Erika Sailer

Behandlung und Hilfe

Eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (Cleft) ist vollständig behandelbar. Voraussetzung dafür sind chirurgische Präzision, geduldige Nachsorge und eine ganzheitliche Betreuung. Dank moderner Medizin und interdisziplinärer Zusammenarbeit können betroffene Kinder heute ein gesundes, selbstbewusstes Leben führen.

1. Chirurgische Behandlung

Die chirurgische Korrektur bildet den Grundstein der Behandlung. Bereits im Alter von drei bis sechs Monaten kann die erste Operation – der Lippenverschluss – erfolgen. Damit wird nicht nur das äussere Erscheinungsbild verbessert, sondern auch die Grundlage für eine gesunde Nahrungsaufnahme und Sprachentwicklung geschaffen.

Im weiteren Verlauf der Kindheit folgen zusätzliche Eingriffe – etwa der Gaumenverschluss, der Aufbau des Kieferknochens oder eine Nasenkorrektur, um die Funktion und Ästhetik weiter zu optimieren.

Jede Operation wird individuell geplant – abhängig von der Ausprägung der Spalte, dem allgemeinen Gesundheitszustand und den Bedürfnissen des einzelnen Kindes. Ziel ist immer, Schritt für Schritt ein möglichst natürliches und funktionales Ergebnis zu erzielen.

«Ein Eingriff kann das Leben eines Kindes verändern – doch wahre Heilung entsteht erst, wenn Hoffnung, Wissen und Menschlichkeit zusammenwirken.»

Prof. Dr. Dr. Hermann F. Sailer

2. Nachsorge und Therapie

Nach der Operation beginnt ein ebenso wichtiger Teil der Behandlung: die umfassende Nachsorge.

Dazu gehören regelmässige Sprachtherapien, die den Kindern helfen, ihre Artikulation zu verbessern und ihre Stimme klar und selbstbewusst einzusetzen.

Ernährungsberatung unterstützt Eltern dabei, eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen und die Gewichtsentwicklung zu fördern.

Auch die zahn- und kieferorthopädische Begleitung spielt eine zentrale Rolle, um Fehlstellungen zu korrigieren und das Wachstum optimal zu unterstützen.

Ebenso wichtig ist die psychosoziale Betreuung – sie stärkt das Selbstvertrauen der Kinder und hilft Familien, mit den emotionalen Herausforderungen umzugehen.

«Hilfe beginnt mit dem Entschluss, nicht wegzusehen. Jeder Einsatz für ein Kind bedeutet, Zukunft möglich zu machen.»

Dr. h.c. Erika Sailer

3. Interdisziplinärer Ansatz

Eine erfolgreiche Cleft-Behandlung ist immer Teamarbeit. Sie vereint die Expertise verschiedener Fachrichtungen – Chirurgie, Logopädie, Zahnmedizin, Ernährungswissenschaft und Psychologie – zu einem ganzheitlichen Behandlungsansatz.

Nur durch dieses Zusammenspiel kann eine nachhaltige Heilung gelingen.

Genau diesen interdisziplinären Ansatz verfolgt Cleft-Children International CCI in seinen Behandlungszentren weltweit.

Mit medizinischer Kompetenz, langfristiger Begleitung und einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse der Kinder und ihrer Familien schenkt CCI neuen Lebensmut und die Chance auf eine Zukunft voller Lächeln.

Eine Operation dauert oft weniger als zwei Stunden – doch ihre Wirkung hält ein Leben lang.
Ein Kind, das zuvor kaum sprechen, essen oder lächeln konnte, gewinnt die Fähigkeit zurück, am Leben teilzuhaben: zu kommunizieren, zu lernen, zu träumen.

Familien schöpfen neuen Mut und Vertrauen – und ganze Gemeinschaften erfahren, dass Heilung und Hoffnung möglich sind.

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